Kita-Qualität trotz Corona-Maßnahmen gewährleisten (Kopie 1)

 

Mit folgendem Schreiben hat sich Impuls Soziales Management vergangene Woche an den Deutschen Städte- und Gemeindebund gewendet, um sich zu den aktuellen Regelungen in mehreren Bundesländern zu äußern und für die Sicherung der Qualität in der Kinderbetreuung einzustehen. 

 

„Mit diesem Schreiben bitten wir Sie um Ihren Einsatz für die Qualitätssicherung in der Kinderbetreuung trotz der aktuell notwendigen Corona-Maßnahmen. Wir sind ein Träger von knapp 40 Kindertagesstätten deutschlandweit. Nach einer langen Phase der Unsicherheit darüber, wie es mit unserer Kinderbetreuung weitergeht, ebnen die Länder nun immer mehr der Weg in die Regelbetreuung, wofür wir sehr dankbar sind. Die Bundesländer bieten uns flexible Handlungsrahmen an, innerhalb derer wir eigene Lösungen finden können. Auch wenn dies positiv zu werten ist, haben wir Regelungen zur Kenntnis genommen, die bei konsequenter Umsetzung massive Auswirkungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit haben werden, z.B. die Aussetzung des Fachkraft-Kind-Schlüssels oder der Quereinstieg von ungelernten Kräften. Im Gegensatz zum Land Niedersachsen, das sich klar dafür ausspricht, dass diese Regelungen nur temporär zum Einsatz kommen und eine Ausnahmesituation darstellen, positionieren sich Hessen und Baden-Württemberg nicht pro Qualität. Dort wird von einer Wahrung der Aufsichtspflicht gesprochen, was den Herausforderungen, denen unsere pädagogischen Fachkräfte in Ihrer täglichen Arbeit begegnen, nicht mal ansatzweise gerecht wird. 

 

Professionell begleiten statt Aufsichtspflicht erfüllen 

 

Das Wahrnehmen der Aufsichtspflicht ist die Grundlage für Kinderbetreuung – jedoch nicht mehr. Von einer qualitativ hochwertigen Betreuung und Begleitung der Kinder in deren Entwicklung, dem Erfüllen des Bildungsauftrags und dem Beraten von Familien kann man hier nicht sprechen. Seit der Wiedereröffnung begegnen den pädagogischen Fachkräften zusätzliche Herausforderungen: Neue Hygienemaßnahmen müssen berücksichtigt, Kinder nach langer Abwesenheit zum Teil wieder eingewöhnt und die Erziehungspartnerschaft weiter vertieft werden, um den Familien das Vertrauen in eine professionelle Begleitung der Kinder auch bei besonderen gesundheitlichen Risiken zurückzugeben. Im Kontext der Betreuer-Kind-Interaktion ist eine stabile Betreuung notwendig, d.h. möglichst kontinuierliche Betreuung durch gleichbleibende Fachkräfte. Da ist es mit der Wahrung der Aufsichtspflicht nicht getan, denn diese Anforderungen sind schon bei Berücksichtigung des regulären Fachkraft-Kind-Schlüssels herausfordernd.

 

Quereinsteiger? Ja, aber mit Qualitätssicherung und als Zusatzkräfte

 

Kindertagesstätten dürfen nicht zum Spielball der Politik werden, um mit Begründung der Corona-Regelungen dauerhaft schlechtere Fachkraft-Kind-Schlüssel, den Einsatz nicht qualifizierten Personals oder größere Gruppen durchzusetzen. Daher fordern wir eine klare Haltung der Länder, die Befristung der aktuellen Regelungen deutlich zu machen und sich perspektivisch für eine Verbesserung des Personalschlüssels einzusetzen. Dies kann durch die Beschäftigung von Quereinsteigern gelingen, allerdings unter vorgegebenen Qualitätsstandards und in Zeiten, in denen personelle Ressourcen für eine solche Ausbildung vorhanden sind. Zudem sollten diese Personen als Zusatzkräfte zum Einsatz kommen, die zum bisher geltenden Fachkraft-Kind-Schlüssel addiert werden und so die Qualität in der Kinderbetreuung weiter stärken können. Die Qualität muss auch in diesem Ausbildungsweg gesichert sein, denn ein Einsatz von ungelernten Kräften, wie er als Notlösung in Niedersachsen angedacht ist, führt langfristig zu einer Dequalifizierung und Deprofessionalisierung des Feldes. 

 

Da Kinder immer häufiger schon im frühkindlichen Alter und immer länger in die Betreuung gegeben werden, erwächst daraus eine enorme Verantwortung für die Qualität der Begleitung kindlicher Entwicklung. Die Erfahrungen, die ein Kind in dieser Zeit macht, nehmen Einfluss auf sein späteres Empathievermögen, die Impulskontrolle und auf die Fähigkeit zur Stressregulation. Auch die Familien benötigen einen qualifizierten Austausch zu ihrem Kind und Beratung durch pädagogische Fachkräfte. Dies kann nur durch entsprechend ausgebildetes Personal erfolgen. 

 

Pädagogische Fachkräfte sind systemrelevant

 

Die durch Corona bedingte Schließung der Kindertageseinrichtungen hat ein weiteres Mal gezeigt, wie systemrelevant die tägliche Arbeit der pädagogischen Fachkräfte ist. Ohne die professionelle, institutionelle Betreuung können Eltern z.B. ihrer beruflichen Tätigkeit nicht nachgehen. 

 

Daher benötigen wir jetzt Ihre Unterstützung dafür, dass Kinder und Familien deutschlandweit von einer hohen Qualität in der Betreuung profitieren und die aktuellen Ausnahmeregelungen kein Einfalltor für dauerhafte Sparmaßnahmen werden. Denn wenn wir Kinder beim Aufwachsen gut begleiten, legen wir den Grundstein für die erfolgreiche Zukunft unseres Landes.“