Eltern sein in Zeiten von Corona

 

Seit Mitte März sind die knapp 40 Kindertagesstätten von Impuls Soziales Management aufgrund der Corona-Pandemie weitgehend geschlossen. Davon betroffen ist auch die betriebliche Kindertagesstätte Solkids der Abbott Laboratories GmbH in Hannover. Virtuelle Meetings, Homeschooling, Haushalt und ganz nebenbei den Kindern einen schönen Tag bereiten - das ist in vielen Familien mittlerweile Alltag geworden.

Impuls Soziales Management sprach mit einer betroffenen Familie aus Hannover, wie sie die Herausforderungen meistern und zeigt, was betriebliche Kinderbetreuung in Zeiten von Corona bedeutet.

 

„Erschöpft, hoffnungsvoll und irgendwie auch entschleunigt“, das sind die Worte, mit denen Janine Müller, Mutter von zwei Kindern (Lasse, sieben Jahre, und Leif, vier Jahre alt), die aktuelle Situation für ihre Familie beschreibt. Janine Müller arbeitet in der Personal-IT eines Chemieunternehmens, ihr Mann ist als Leiter im Personalmanagement einer Bank beschäftigt. Beide befinden sich seit dem Corona-Lockdown überwiegend im Home Office.

 

Der normale Corona-Alltag beginnt bei Familie Müller um 5.30 Uhr und endet meist erst in den späten Abendstunden. Denn trotz der sehr flexiblen Arbeitszeiten, die sie und ihr Mann in dieser Situation ermöglicht bekommen, ist das normale Pensum im Tagesverlauf kaum zu schaffen. „Eine gute Betreuung zu Hause inkl. Homeschooling neben dem normalen Job ist langfristig nicht durchzuhalten. Eltern brauchen hier schnell Entlastung und Kinder brauchen zeitnah wieder Austausch mit Gleichaltrigen“, so Janine Müller. So wünscht sie sich individuelle Rahmenbedingungen für Kita und Schule, die bei größtmöglicher Sicherheit vor Infektionen, Eltern eine Entlastung bieten und Kindern ihren gewohnten Alltag wiedergeben.

  

Wichtigkeit aus Sicht der Kinder

 

„Mama, darf ich etwas Süßes?“ Für Leif ist diese Frage so wichtig, dass er die Videokonferenz seiner Mutter kurz stören muss. Das sei solange kein Problem, so Müller, solange sie die Kollegen gut kenne und keine externen Personen im Meeting sind. Das ist aber nicht immer so.

In diesen Zeiten ist es für Eltern oft unmöglich, Kindern und Beruf gleichermaßen gerecht zu werden. Große Unternehmungen können in den aktuellen Alltag von Familie Müller nicht eingeplant werden, denn bei all der Flexibilität und dem Verständnis von Kollegen und Vorgesetzten: „Letztendlich muss die Arbeit erledigt werden und dafür bin ich verantwortlich“, so Müller.

 

Entschleunigung für Familien

 

Neben all dem Druck versuchen sie aber auch, die positiven Seiten der aktuellen Situation zu nutzen. Entspanntes Lesen in der Hängematte am frühen Nachmittag, gemeinsames Mittagessen mit den Kindern und ein Morgen ohne Druck, dass Lasse pünktlich in der Schule ist. Das sind Dinge, die im normalen Arbeitsalltag in vielen Familien oft zu kurz kommen. „Ich hoffe, dass wir davon ein bisschen was in die ‘Zeit danach‘ retten können, aber ich befürchte, dass einen der Alltag dann schnell wieder hat“, berichtet Janine Müller.

 

Die betriebliche Kinderbetreuung für ihren Sohn Leif weiß Familie Müller in der aktuellen Situation umso mehr zu schätzen „Durch die sehr gute Betreuung in der Kita kann man ab dem Moment, an dem man sich von dem Kind verabschiedet hat, die Elternrolle ablegen und sich voll und ganz auf die Rolle im Job konzentrieren, ohne sich Gedanken um die Kinder machen zu müssen.“ Das fehlt momentan, denn nun befinden sich besonders berufstätige Eltern in einer außergewöhnlichen Rolle: Kumpel und pädagogische Fachkraft sein, den Haushalt erledigen und ganz nebenbei noch Geld verdienen. „Insgesamt denke ich, dass es ohne betriebliche Kinderbetreuung schlicht nicht möglich ist, einen (herausfordernden) Job und die Familie unter einen Hut zu bekommen. Ich bin niemals weder ganz bei den Kindern noch bei meinem Job. Das ist anstrengend, und man hat das Gefühl, beidem nie wirklich gerecht zu werden.“ Auch der Kontakt zu anderen Kindern und den pädagogischen Fachkräften fehlt, was schon zu manchem Konflikt geführt hat: „Dadurch, dass irgendwie jeder Tag gleich abläuft und bis auf wenige Ausnahmen nichts wirklich Neues passiert, fehlen einfach neue Impulse. Die aktuelle Situation ist nicht mehr lange tragbar.“

 

Betriebliche Kinderbetreuung in Zeiten von Corona

 

Unwirklich und bizarr, so beschreibt Anne Tobiasch, pädagogische Fachkraft in der betrieblichen Kindertagesstätte Solkids die Situation. „Alles ist so schlecht planbar und es herrscht Unsicherheit.“.

 

In der Kita Solkids, in der auch Leif unter normalen Umständen betreut würde, geht es seit der verordneten Schließung deutlich ruhiger zu. Seit Mai arbeiten immer zwei pädagogische Fachkräfte mit einer Handvoll Kinder in der Notbetreuung. Ein ausgesprochen guter Betreuungsschlüssel, der unter normalen Umständen sicher gefallen würde.

 

Langweilig wird es trotzdem nicht. „Wir haben es uns nett gemacht“, so Tobiasch. Diese Zeit in der Einrichtung ist aber auch herausfordernd, denn besonders im Alltag mit kleinen Kindern sind Abstandsregeln, Handschuhe und Mundschutz nicht leicht zu integrieren. Glücklich ist das Team über das Verständnis der Eltern in dieser Situation, denn diese freuen sich über die regelmäßigen Kontakte: Ob per Newsletter, Videos oder mit kleinen Geschenken, dem Team ist der Kontakt zu den Kindern sehr wichtig. Unglücklich ist Anne Tobiasch über die scheinbar fehlende Wichtigkeit der pädagogischen Einrichtungen in der politischen Diskussion:

„Kitas und Schulen haben in Deutschland einfach keinen großen Stellenwert. Wenn ich höre, dass über die Bundesliga und Spargelstecher mehr diskutiert wird, als über die Kita-Öffnung, bin ich doch sehr verwundert“, erklärt Anne Tobiasch.

 

Die genaue Entwicklung der Kita-Öffnungen bleibt abzuwarten. Ideen und Konzepte gibt es einige, so auch den Leitfaden zur Wiedereröffnung von Impuls Soziales Management. Es liegt nun an der Politik der Bundesländer, hier schnelle, an die individuelle Situation angepasste, Lösungen für alle zu finden und die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Träger, Familien und pädagogische Fachkräfte so dringend brauchen.

 

 

  • Neuer Alltag: Familie Müller im Home Office