Bilingualität: Im Käferhuus spricht man Plattdeutsch

 

Ricarda Franziskus verstärkt seit Februar 2015 das Team der Kindertagesstätte „Dat Käferhuus“ der Volkswagen AG. Am Standort Emden betreuen die pädagogischen Fachkräfte bis zu 130 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren in acht Gruppen. Als bilinguale Fachkraft für Plattdeutsch sorgt Ricarda Franziskus dafür, dass in ihrer Kita die ostfriesische Sprache gesprochen wird.

 

„Wi verstahn uns as Profis in Saken Plattdüütsk. Qualität is uns wichtig - daarmit de Regionaalspraak eernst nohmen word!“

 

Warum bieten Sie in Ihrer Kita Plattdeutsch an?

Ricarda Franziskus: „Platt“ bedeutet „klar, deutlich, für jedermann verständlich“. Es ist bei uns in Ostfriesland eine Sprache des Volkes, unsere Regionalsprache. Man findet sie in vielen Familien, bei Ämtern und sogar in Supermärkten – dort werden Verkaufsschilder auf Plattdeutsch gedruckt und auch die Verkaufsgespräche in dieser Sprache geführt. Zudem ist die plattdeutsche Sprache in Kinder- und Bildungseinrichtungen ein Projekt der „Ostfriesischen Landschaft –  Regionalverband für Kultur, Wissenschaft und Bildung“. Es geht darum, Plattdeutsch wieder vermehrt und vor allem bewusst in der Region zu etablieren. Mittlerweile umfasst das Netzwerk der Kitas, die mit Plattdeutsch arbeiten, rund 80 Einrichtungen. Diese können eine Auszeichnung in Form einer Plakette erhalten und führen nach einer Prüfung den Titel „Mehrsprakig Kinnergaarn – Mehrsprachiger Kindergarten“. Für dieses Verfahren muss man eine Bewerbung einreichen, was wir in naher Zukunft auch tun wollen.

 

Haben Sie eine spezielle Ausbildung in plattdeutscher Sprache absolviert oder sind Sie selbst damit aufgewachsen und somit Muttersprachler?

Ricarda Franziskus: Ich bin zweisprachig aufgewachsen. Bei uns zu Hause wurde fast ausschließlich Platt gesprochen. Erste Berührungspunkte mit dem Hochdeutschen hatte ich durch meine Tante, die sich mit ihren Kindern und auch mit mir auf Hochdeutsch unterhielt. Im Kindergarten oder beim Ballett ging es dann mit Hochdeutsch weiter. Für mich war das normal: In der Familie spreche ich Plattdeutsch und außerhalb nicht. Ich bin also Muttersprachler und nicht speziell dafür ausgebildet. Es finden allerdings regelmäßig Fortbildungen statt, in denen z. B. Kinderlieder auf Plattdeutsch vorgestellt werden und man sich gute Anregungen für die Arbeit mit Sprache holen kann.

 

Auf welche Art und Weise binden Sie Plattdeutsch in den Kita-Alltag mit ein? Wird die Sprache durchgängig gesprochen?

Ricarda Franziskus: Wir arbeiten nach der Immersionsmethode. Das bedeutet, ich spreche in der Einrichtung konsequent Plattdeutsch. Meine Kolleginnen hingegen kommunizieren mit den Kleinen ausschließlich auf Hochdeutsch. Auf diese Art und Weise können die Kinder beide Sprachen besser auseinanderhalten und verbinden mich automatisch mit Plattdeutsch. Da ich in der Krippengruppe eingesetzt bin, findet der plattdeutsche Alltag überwiegend dort statt. So gibt es den wöchentlichen Morgenkreis auf Plattdeutsch oder es wird nach plattdeutscher Anleitung gebastelt. Es gibt auch einige ältere Kinder, die mich regelmäßig zum „Platt proten“ (Platt sprechen) besuchen. Uns ist wichtig, dass das Konzept „Plattdeutsch“ nicht als Sprachunterricht angesehen wird. Es ist ein Sprachbad, etwas, in das die Kinder eintauchen können. Das Lernen passiert ganz nebenbei, auf spielerischem Wege.

 

Wie ist die Reaktion auf dieses Angebot?

Ricarda Franziskus: Dass wir Plattdeutsch in unseren Kita-Alltag integrieren, war explizit ein Wunsch vieler Eltern. Sie möchten, dass ihre Kinder wieder für diesen Dialekt sensibilisiert werden, da er ein Teil unserer Region ist. Die Kinder selbst finden es nicht ungewöhnlich, dass wir Platt sprechen. Im Gegenteil, sie reagieren darauf sehr positiv und plappern vieles nach. Oftmals kennen sie die Sprache auch schon von Zuhause, etwa durch Großeltern oder Tanten und Onkel. Sie verstehen deshalb vieles schon sehr gut, sprechen aber in der Regel noch nicht selbst. Deshalb dürfen sie mir auch auf Hochdeutsch antworten. Wenn etwas unklar ist, kommen auch mal Hände und Füße zum Einsatz, um etwas zu erklären. Wir begleiten das Sprechen allgemein sehr stark durch Mimik und Gestik, das ist wichtig, damit die Kinder uns gut verstehen können.

 

Vielen Dank an Frau Franziskus für das Interview. 

 

In diesem Video können Sie ein Fingerspiel in plattdeutscher Sprache aus dem Käferhuus sehen: https://youtu.be/oBn2-nriXJ4